Paramente

Paramentik-Konzept für die Peterskir­che Heidelberg

Paramente nennt man die Textilien, die im Kirchenraum, meist an Kanzel, Altar und Lesepult (Ambo), durch ihre Farben und Symbolik den Bezug zum Kirchenjahr herstellen.

Aufgabe der Paramentik (Kunst der Bereitung [des Kirchenraums]) ist es, die wich­tigs­ten Orte des Raumes her­vor­zu­he­ben. Das Kirchenjahr liefert mit seinen Farben einen Subtext zur Liturgie und wird in der tex­ti­len Gestaltung sichtbar.

Pfingstparamente (Foto: R. Krohs)

Die Gestaltung in der Peterskirche hat sich in einem Gesprächsprozess mit dem Kapitel ent­wi­ckelt. Die Problemstellung, dass an Altar und Ambo keine Textilien ver­wen­det werden sollen und können, erfor­derte den krea­ti­ven Umgang mit der Raumsituation.

Der Gedanke einer Projektionsfläche sowohl für das Kreuz als auch für die Farben des Kirchenjahres ent­stand. Der Ort vor dem Epitaph war weit genug ent­fernt, um den Raum als Ganzes wahr­neh­men zu können, die Transparenz der Fläche so, dass das Epitaph immer noch zu ahnen ist und hinter der Fläche detail­liert betrach­tet werden kann.

Die Fläche hinter dem Kreuz besteht immer aus zwei Lagen:

Als Hintergrund dient eine weiße trans­lu­zente, textile Fläche, die auf­grund des engen Kostenrahmens aus einer trans­pa­ren­ten Stoffbahn besteht, aber auch aus sati­nier­tem Glas oder Acryl beste­hen könnte, wenn es keine uner­wünsch­ten Reflexionen oder Spiegelungen gibt. Davor wech­seln sich farbige Flächen ab, die durch ihre Form inhalt­li­che Bezüge zum Kirchenjahr herstellen:

Zwei schmale, grüne Bänder begin­nen am Boden und enden auf etwa 2/3 der weißen Fläche, Wachstum wird symbolisiert.

Zwei schmale rote Bänder begin­nen zu Pfingsten und Gemeindefesten an der Oberkante der weißen Fläche, enden über dem Boden und sym­bo­li­sie­ren die Abwärtsbewegung des Geistes, mit dem dritten Band an der Kanzel wird an die Dreifaltigkeit erinnert.

Parament fuer Christusfeste (Foto: R. Krohs)

Eine große weiße Fläche teilt zu den hohen Festtagen und Christusfesten den Hintergrund in drei Teile, an der Kanzel wird eben­falls mit zwei Flächen gear­bei­tet, die formal den Bezug zu Altar und Lesepult herstellen.

Eine am Boden begin­nende, vio­lette, quer­for­ma­tige Fläche in den Proportionen des Altars ver­än­dert in den Vorbereitungszeiten (Advent, Passion) den Durchblick durch den Altar vom Kirchenschiff aus, an der Kanzel findet sich eine pro­por­tio­nal ver­klei­nerte Fläche wieder.

An der Kanzel wird über einen for­ma­len Bezug zu Altar und Ambo Neues mit Altem ver­bun­den, das Konzept vom „Suchen und Finden“ der Prinzipalstücke wird weitergeführt.

Hauptorientierung bei der Farbwahl ist das Glasfenster, die Flächen haben keine klas­si­schen Motive, sondern kommen mit einer gestick­ten Ton-in-Ton-Struktur aus, das Material Filz ist ursprüng­lich wie der Cortenstahl von Altar und Ambo, inner­halb der far­bi­gen Lagen ver­birgt sich eine gold­gelbe Stofflage, sie zitiert deren Vergoldung.

gruenes Kanzelparament (Foto: R. Krohs)

Die schlichte Formensprache der neuen Prinzipalstücke wird mit den Paramenten wei­ter­ge­schrie­ben, mit der Verortung werden die his­to­ri­schen Raumelemente mit der moder­nen Gestaltung „ver­wo­ben“. Die Paramente mar­kie­ren die Orte und machen die Botschaft der Liturgie und der Predigt sicht­bar. Sie ver­än­dern den Raum damit, ohne ihn zu stören.

Dipl. Designerin Beate Baberske-Krohs, Leiterin der Paramentenwerkstatt Neuendettelsau

 

 


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