Tag des offenen Denkmals 2023

- 18.09.2023 - 

Eine Rückschau

Gruppe "Offene Peterskirche" organisierte Programm | Dr. Gabriele Soyka schaut auf den 10.09.2023 zurück

Nachlese zum

Tag des Offenen Denkmals 2023
am Sonntag, 10. September 2023
in der Peterskirche in Heidelberg

 
 
Mit dem ungewönlichen Veranstaltungstitel
„Rundgang mit Rittern und Romantischer Musik“
hatte die Gruppe „Offene Peterskirche“  zum diesjährigen bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ 2023 in die Peterskirche eingeladen.
Was sich dahinter verbarg, erfuhren die neugierigen Besucher*innen in der Zeit von 13.30 Uhr und 16.15 Uhr durch verschiedene Programmpunkte im Kirchenschiff und im Chorraum.
 
Die musikalische Einstimmung lag zu Beginn in den Händen der Organistin Johanna Haywood mit Felix Mendelssohn-Bartholdys „Präludium op. 37 in G“ und „Andante in D mit Variationen” für Orgel Solo.
 
Nach der Begrüßung durch Dr. Dieter Jung (Heidelberg), in der er den Ort des Geschehens – nämlich Geschichte und Bauwerk der Kirche – erläuterte, nahm die Zuhörer*innenschar unter seiner Führung im Altarbereich Platz, quasi in unmittelbarer Nachbarschaft der steinernen Personen in Epitaphienform an den Wänden des Chorraumes.
 
Denn die Gruppe „Offene Peterskirche“ hatte es sich zur Aufgabe gemacht, gemäß der Empfehlung der „Stiftung für Denkmalschutz“ in der BRD, sich dem Thema „MONUMENT TALENT“ zu widmen und sich bis dato nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehender Objekte anzunehmen. D. h. in diesem Jahr eben nicht die schon lange bekannten und bewunderten Kunstschätze der Kirche wie Schreiterfenster, Hans Thoma-Gemälde, Reformatoren in Glas und die Orgeln in den Mittelpunkt zu stellen, sondern das Augenmerk auf Darstellung und Bedeutung der lebensgroßen Steinreliefs der „Rittersleut“ an den Wänden des Chorraums zu lenken.
 
Dies tat in launiger und humorvoller Art der in der Altstadt bekannte Hausarzt Dr. Dieter Jung, Kenner und Liebhaber geschichtlicher Zusammenhänge, indem er in kurzen Textabschnitten, auch anektdotisch angereichert, erzählte, wie so ein Ritterleben in der Zeit zwischen 1500 und 1600 verlaufen sein könnte, wobei abgeschlagene Ritternasen und Genitalien als Zeichen feindlicher Aggression zu deuten seien, auch im historischen Zusammenhang religiöser Auseinandersetzungen.
 
Es war ihm aber auch wichtig, an eine bemerkenswerte weibliche Person dieser Zeit zu erinnern, an Fulvia Morata, die erste bekannte Geisteswissenschaftlerin in Heidelberg, als auch  an den .zusammen mit ihr sich in der seitlichen sog. Universitätskapelle befindlichen Steintorso des legendären sog. „Ewigen Studenten“. Abschließend zu erfahren, weshalb 1945 der Kirchturm durch einen Brand zerstört wurde, war für die interessierte Teilnehmerschar sicher hochinteressant.
 
Romantische Musik erklang zwischen den Textabschnitten vor und auf den Stufen des Altarraumes. Mit fast sphärischen Violinklängen bezauberte Kyra Haywood begleitet von Johanna Haywood am Flügel mit der Komposition D. Schostakowitschs aus fünf Stücken Präludium, Elegie und Walzer.
 
Ausdrucksstark und mit Hingabe musiziert wurden Robert Schumanns im Liederkreis 39 vertonten hochromantischen Gedichte Joseph von Eichendorffs durch Dr. Gabriele Soyka (Mezzosopran) und Johanna Haywood (Flügel) mit eingestreut.
 
 
Die Besucher*innen genossen sichtlich aufmerksam und bewegt allesDargebotene, wozu auch nicht zuletzt die Verköstigung mit Kaffee und Kuchen – organisiert von den Mitgliedern der Gruppe „Offene Peterskirche“ – beitrug.
 
Nach einem stimmungsvollen Nachmittag des „Offenen Denkmals“ verließ man gegen 16.15 Uhr die ins warme Licht der untergehenden Sonne getauchte Peterskirche und kehrte wieder zurück in die Realität der anbrechenden neuen Woche.
 
Text und Bilder: Dr. Gabriele Soyka
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