Peterskirchendialoge

 
Die Peterskirchendialoge sind regel­mä­ßig statt­fin­den­de Veranstaltungen zu gesell­schaft­lich rele­van­ten Themen, die in Referaten, Podiumsdiskussionen und Publikumsdialogen behan­delt werden.
Die Peterskirchendialoge werden von der Universitätsgemeinde, der Evangelischen Akademie Baden, dem Theologischen Studienhaus und wei­te­ren Kooperationspartnern aus der Universität und dem uni­ver­si­tä­ren Umfeld durch­ge­führt.
 
 

 
Am 12. November 2010 ver­an­stal­te­te die Evangelische Akademie Baden mit einer Reihe von Kooperationspartnern aus der Universität und dem uni­ver­si­tä­ren Umfeld den 1. Peterskirchendialog zum Thema glo­ba­ler Friedensverantwortung in der Peterskirche in Heidelberg.
 
In der Diskussion um den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan steht aus der Sicht evan­ge­li­scher Friedensethik die Frage im Zentrum: Wie lassen sich die durch die gegen­wär­ti­gen Konflikte gestell­ten poli­ti­schen Herausforderungen anders als durch mili­tä­ri­sche Eskalation lösen? Ausgehend von dieser Situation in Afghanistan und weiter im Blick auf die „Neuen Kriege“ in anderen Krisen- und Konfliktregionen werden im Dialog die Perspektiven einer pro­tes­tan­ti­schen Position zur Wahrnehmung glo­ba­ler Friedensverantwortung beschrie­ben. Die evan­ge­li­sche Friedensethik auf der einen und die Einsichten der Konfliktforschung auf der anderen Seite werden dazu in einen Dialog gebracht, der der gesell­schaft­li­chen Verantwortung von Wissenschaft und Kirche Raum und Ausdruck geben soll.
 
Am Dialog betei­ligt waren der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, die Friedens- und Konfliktforscher PD Dr. Jochen Hippler, Institut für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen und Nicolas Schwank, CONIS-Forschungsgruppe Universität Heidelberg. Der Dialog wurde gelei­tet von PD Dr. Georg Lämmlin.
 
Neben den Podiumsdiskussionen bestand auch die Möglichkeit, in klei­ne­ren Gesprächsgruppen weiter zu dis­ku­tie­ren.
 
 

 
Großes Kasino nicht geschlos­sen
Verantwortung für eine zukunfts­fä­hi­ge Weltwirtschaft über­neh­men
 
Auf drei große Herausforderungen für eine zukunfts­fä­hi­ge Weltwirtschaft hat Prof. Dr. Friederike Nüssel, Prorektorin der Universität Heidelberg, zur Eröffnung des 2. Peterskirchen-Dialogs in Heidelberg hin­ge­wie­sen: Die „grüne“ Herausforderung durch den Klimawandel zu einer öko­lo­gisch nach­hal­ti­gen Energieversorgung und Produktionsweise, die Aufgabe einer nach­hal­ti­gen Versorgung und Integration der wach­sen­den Weltbevölkerung sowie eine nach­hal­ti­ge Sicherung der volks­wirt­schaft­li­chen Funktionsfähigkeit, ins­be­son­de­re der Funktionsfähigkeit des Finanzsystems. Unter dem Titel „Verantwortung für eine zukunfts­fä­hi­ge Weltwirtschaft“ wurde ins­be­son­de­re über das Leitbild „öko­lo­gisch-soziale Marktwirtschaft“ als pro­tes­tan­ti­sche Antwort auf die genann­ten Herausforderungen dis­ku­tiert.
 
Für ein „grund­sätz­li­ches Mehrgenerationendenken“ in der Wirtschaft sprach sich der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, aus. Bislang seien nur unzu­rei­chen­de Lehren aus der Finanzmarktkrise gezogen worden. Er habe nicht den Eindruck, dass die Orientierung am kurz­fris­ti­gen Erreichen hoher oder höchs­ter Gewinne inzwi­schen einer lang­fris­ti­ge­ren Orientierung in den DAX-Unternehmen oder auf den Finanzmärkten gewi­chen sei: „Das große Kasino scheint immer noch nicht geschlos­sen zu sein.“
 
In der voll besetz­ten Heidelberger Universitätskirche betonte er, der christ­li­che Glaube beruhe darauf, dass die Welt mit all ihren Möglichkeiten von Gott ins Leben gerufen und den Menschen anver­traut worden sei. So seien alle mensch­li­chen Aktivitäten treu­hän­de­ri­sches Handeln. „Alle wirt­schaft­li­chen Akteure stehen aus dieser Sicht in einer treu­hän­de­ri­schen Verantwortung für die Schöpfung Gottes – sie sind in dieser Hinsicht stets Mit-Schöpfer Gottes: sie haben mit Teil an der Weiterentwicklung, Neuschaffung dieser groß­ar­ti­gen Welt und stehen letzt­lich vor ihm und natür­lich vor den Menschen in Verantwortung für das, was sie tun.“ Die Kirchen hätten seit ihrem Sozialwort von 1997 immer wieder darauf hin­ge­wie­sen, dass die Idee der Sozialen Marktwirtschaft heute um Gesichtspunkte der öko­lo­gi­schen Verträglichkeit und der inter­na­tio­na­len Gerechtigkeit ergänzt werden müsse. „Wir müssen das der­zei­tig herr­schen­de Verständnis von Wachstum kor­ri­gie­ren,“ sagte Schneider, „die Abhängigkeit vieler Aktivitäten von diesem Wachstum muss drin­gend redu­ziert werden! Es geht um das Erreichen qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Ziele, um die Qualität des Lebens auf diesem Globus. Dem ist alles andere nach­zu­ord­nen.“
 
Schneider warb für ein Denken, „das die heute genutz­ten Möglichkeiten immer auch für die kom­men­den Generationen mit durch­denkt“ und das zugleich zurück­hal­tend und offen­siv sein müsse: „Zurückhaltend in der Nutzung der Güter, die für die nächs­ten Generationen erhal­ten bleiben müssen, aber zugleich auch offen­siv darin, für die nächs­ten Generationen bessere Lebensbedingungen, gerech­te­re, nach­hal­ti­ge­re Strukturen, zu schaf­fen, als dies heute der Fall ist.“ Eine auf die Zukunft aus­ge­rich­te­te Lebenseinstellung könne nur mit einer zurück­hal­ten­den Nutzung der Ressourcen der Erde ein­her­ge­hen. Auf dieser Grundlage könne man ein nach­hal­ti­ges Wirtschaften betrei­ben, das nicht auf ein Wirtschaftswachstum und auf höchst­mög­li­che Gewinne um jeden Preis aus­ge­rich­tet ist, sondern die robuste Sicherung der Lebensmöglichkeiten der Menschheit als obers­tes Ziel im Blick behalte. „Auf das für alle Menschen lebens­dien­li­che Maß kommt es also an, auch bei den Gewinnerwartungen.“
 
Verantwortung zu über­neh­men sei für viele gut geführ­te Unternehmen „Tagesgeschäft“, sagte Dr. Wolfram Freudenberg, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses von Freudenberg & Co (Weinheim). Es gelte die Balance zu finden zwi­schen den unter­neh­me­ri­schen Zielen und den gesell­schaft­li­chen und öko­lo­gi­schen Zielen auf der andern Seite. Selbstverständlich gebe es für globale Unternehmen Zielkonflikte, hier gelte es, auf eine „Vertrauenskultur“ zu setzen und vor­bild­lich als „ehr­ba­rer Kaufmann“ zu handeln. Freudenberg wies darauf hin, dass sich sein Unternehmen zu stren­gen ethi­schen Regeln ver­pflich­tet hätte, diese seien die Leitplanken, um ein Unternehmen in unserer Gesellschaft erfolg­reich zu betrei­ben. Man sei sich sehr wohl bewusst, dass eine Firma „nur in einem sta­bi­len Umfeld selbst stabil bleiben kann“.
 
In der anschlie­ßen Dialog – kom­pe­tent mode­riert von PD Dr. Georg Lämmlin (Evangelische Akademie Baden) — sagte Schneider, es gelte alter­na­ti­ve Indikatoren für das Wachstum zu finden. Einen Königsweg für eine zukunfts­fä­hi­ge Weltwirtschaft gebe es nicht. Allerdings glaube er gegen allen Augenschein, dass es gelin­gen kann, auf Erden mehr öko­lo­gisch und sozial zukunfts­fä­hi­ge Ordnungsstrukturen durch­zu­set­zen. Dabei gelte es auch, sich aus der Perspektive des christ­li­chen Glaubens gegen Forderungen eines absolut gesetz­ten Marktes zu wehren. Als Dialogbeobachter und als Anwalt des Publikums spitzte Prof. Dr. Hans Diefenbacher (Universität Heidelberg / Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft)den Dialog in einer wei­te­ren Gesprächsrunde noch weiter zu.
 
Der Peterskirchendialog endete mit einem Abendgebet und einem Empfang in der Universitätskapelle.
 
Veranstalter des sehr gut besuch­ten Peterskirchen-Dialogs waren mit der Evangelischen Akademie Baden die Evangelische Universitätsgemeinde Heidelberg, die ESG Heidelberg, die Evangelische Akademikerschaft Baden, die Evangelische Stiftung Pflege Schönau, das Evangelische Studienwerk Villigst, die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Heiliggeist-CityKirche Heidelberg, die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg, das Theologische Studienhaus und die Wirtschaftsgilde e.V.
 
 

 
Der 3. Peterskirchendialog war am 25. November 2011 zum Thema: „Umfassend gebil­det — trotz Bologna“
 
Die Namen Pisa und Bologna signa­li­sie­ren eine vor­wie­gend auf Effizienz aus­ge­rich­te­te Bildungsdebatte. Im poli­ti­schen Diskurs steht Bildungsgerechtigkeit im Zentrum. Bleibt da noch Raum für die Frage nach Bildungsidealen? Beim 3. Peterskirchen-Dialog dis­ku­tie­ren der Vorsitzende der EKD-Bildungskommission, Prof. Friedrich Schweitzer, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Prof. Jutta Allmendinger, und die Journalistin und FAZ-Redakteurin Dr. Heike Schmoll, welche Bedeutung ganz­heit­li­che Persönlichkeitsbildung in der Wissensgesellschaft haben muss und ob sie auch zukünf­tig einen Ort in der aka­de­mi­schen Bildung haben wird. Wie kann das Ideal einer umfas­send gebil­de­ten Persönlichkeit über­haupt aus­se­hen ange­sichts des beschleu­nig­ten Wandels?
 
 

 
Unsere gegen­wär­ti­ge demo­kra­ti­sche Kultur erlebt erheb­li­che Veränderungen inner­halb kurzer Zeit. Konnten früher die durch freie Wahlen legi­ti­mier­ten Mandatsträger Macht auf Zeit ausüben, so drängen jetzt immer mehr Menschen nach direk­ter Partizipation. Zum einen wird poli­ti­sche Macht stark in Frage gestellt und durch die Öffentlichkeit kon­trol­liert; dabei kommt den alten und den neuen Medien eine wach­sen­de Bedeutung zu. Zum anderen zeigen die öko­no­mi­schen Krisenphänomene, dass ein poli­ti­scher Primat gewähr­leis­tet bleiben muss. Inhaltlich werden die Diskursthemen immer kom­ple­xer und auch die Verfahrenswege erschei­nen unüber­sicht­lich.
 
Wie verhält sich die par­la­men­ta­risch dele­gier­te Demokratie zur öffent­lich aus­ge­üb­ten Beteiligungsdemokratie? Wie reagiert man in den Kirchen auf die aktu­el­len Veränderungen in unserem Gemeinwesen, aber auch ange­sichts der euro­päi­schen Entwicklungen und den glo­ba­len Umbrüche wie etwa in den ara­bi­schen Staaten? Welche Grundlinien wären für zukünf­ti­ge Entwicklungen als pro­tes­tan­ti­sche Positionen zu iden­ti­fi­zie­ren?
 
Im 4. Peterskirchen-Dialog am 29. Oktober 2012, 18h dis­ku­tier­ten Dr. Günter Beckstein, Ministerpräsident a.D. und stell­ver­tre­ten­der Präses der Synode der EKD, mit Dr. Konstantin von Notz MdB (Grüne) und dem Beauftragten der evan­ge­li­schen Landeskirchen beim Stuttgarter Landtag Kirchenrat Volker Steinbrecher über die Zukunft unserer Demokratie. Die Moderation hat Lothar Bauerochse (Kirchenredaktion des HR).
 
Eine Veranstaltung der Ev. Universitätsgemeinde Heidelberg, der Theologischen Fakultät, der Evangelischen Akademie in Baden und des Theologischen Studienhauses Heidelberg.
 
 

 
Wie viel Religion ver­trägt die Gesellschaft?
 
Besonders nach kon­kre­ten Anlässen wie dem Kopftuchstreit, dem Beschneidungsurteil oder dem Auftritt des Papstes im Deutschen Bundestag wird immer neu nach dem Stellenwert und den Grenzen der Religion in der demo­kra­ti­schen Gesellschaft gefragt. Einige sehen in der öffent­li­chen Präsenz der Religion ein ana­chro­nis­ti­sches Relikt, das zudem bei den beiden christ­li­chen Kirchen mit unzeit­ge­mä­ßen Privilegien ver­bun­den sei; andere betonen, dass zur Religionsfreiheit nicht nur die Freiheit von der Religion, sondern auch die zur Religion und ihrer öffent­li­chen Ausübung gehöre.
 
Gibt es zu viel Religion in unserer Gesellschaft oder zu wenig? Hat der demo­kra­ti­sche Staat das Recht und die Aufgabe, die Ausübung von Religion ein­zu­schrän­ken und was wären dazu not­wen­di­ge Bedingungen? Oder soll er die Religion fördern? Ist die his­to­risch gewach­se­ne Kooperation von Staat und Kirchen über­holt oder gar ein Modell für das Verhältnis zu Judentum und Islam?
Diese Fragen dis­ku­tier­ten im 5. Peterskirchendialog am 17. Juni 2013, 18 Uhr, Volker Beck (MdB, Bündnis 90/Die Grünen) und Wolfgang Huber (em. Bischof von Berlin, Sozialethiker). Die juris­ti­schen Zusammenhänge erläu­ter­te Ute Mager (Dekanin der Juristischen Fakultät Heidelberg).
Die Moderation und Gesprächsleitung über­nahm Lothar Bauerochse (HR).
 

 
Peterskirchendialog zum „Streitfall: Familie“
 
Jeder Mensch hat Familie. Unstrittig sind Familien grund­le­gend für das gesell­schaft­li­che Gemeinwesen. Wie andere gesell­schaft­li­che Phänomene ist auch die Familie Änderungen unter­wor­fen. Rahmenbedingungen, soziale Konstruktionen und Leitbilder ändern sich. Strittig ist bei sich aus­dif­fe­ren­zie­ren­den Lebensvollzügen, wie Familien gesell­schaft­lich und poli­tisch unter­stützt werden können. Wie sind die Veränderungen zu berück­sich­ti­gen, wie lei­ten­de Vorstellungen mit ein­zu­be­zie­hen?
 
Die jüngst ver­öf­fent­lich­te Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als ver­läss­li­che Gemeinschaft stärken“ hat nicht nur bin­nen­kirch­lich für erheb­li­ches Aufsehen gesorgt, sondern wurde auch stark in der all­ge­mei­nen Öffentlichkeit beach­tet. Die Reaktionen reich­ten von einer Zustimmung zu den poli­ti­schen Anstößen bis hin zur Entrüstung, dass diese Orientierungshilfe Ausdruck kirch­lich-theo­lo­gi­scher Orientierungslosigkeit sei.
 
Im 6. Peterskirchendialog zum „Streitfall: Familie“ dis­ku­tier­ten am 7.11.13 der badi­sche Landesbischof Dr. Ulrich Fischer, der mit dieser Veröffentlichung ver­sucht hat, pro­tes­tan­ti­sche Positionen auf diesem gesell­schaft­li­chen Handlungsfeld zu skiz­zie­ren, mi Prof. Dr. Klaus Tanner, dem Sozialethiker der Theologischen Fakultät Heidelberg, die Sachfragen dieser „Orientierungshilfe“. Die Moderation und Gesprächsleitung über­nahm Rüdiger Runge.
 
 

 
Die Debatte über die Sterbehilfe hat in Deutschland erneut begon­nen. Anlass ist die Arbeit an einem neuen Gesetzesentwurf, der noch in diesem Jahr im Bundestag vor­ge­legt und ohne Fraktionszwang debat­tiert werden soll. Wird er die bis­he­ri­gen Regelungen weit­ge­hend bei­be­hal­ten oder unter bestimm­ten Bedingungen auch eine aktive Sterbehilfe ermög­li­chen, wie sie in anderen euro­päi­schen Ländern erlaubt ist?
 
Dabei liegen sehr grund­sätz­li­che Fragen auf dem Tisch, die wir dis­ku­tie­ren werden: Gelten Autonomie und Selbstbestimmung auch für das Lebensende? Wird der Tod dadurch ver­füg­bar und wenn ja, für wen? Für die Sterbenden oder für deren Angehörige oder für die Mediziner? Wird es einen Druck für Sterbende geben, anderen nicht mehr zur Last zu fallen? Muss jede schwere Krankheit ohne Aussicht auf Gesundung aus­ge­hal­ten werden? Wie ver­trägt sich das mit dem Glauben an Gott als dem Herrn über Leben und Tod? Dürfen Ärzte gemäß ihrer Standesethik über­haupt zu sterben helfen? Wie wünsche ich mir mein eigenes Sterben? Was ist vom christ­li­chen Glauben aus über das Sterben zu sagen?
 
Seit Beginn des Jahres waren es immer wieder ein­zel­ne Persönlichkeiten, die sich hierzu öffent­lich äußer­ten. Franz Müntefering hat, nicht zuletzt aus eigener Erfahrung, immer wieder auf die Hilfe beim Sterben Wert gelegt und den Formen aktiver Sterbehilfe ent­schie­den wider­spro­chen. Mit ihm dis­ku­tier­ten der Heidelberger Palliativmediziner Hubert Bardenheuer, die Theologin Heike Springhart und Hans Senn, der als erfah­re­ner Seelsorger die beson­de­re Schweizer Situation schil­der­te. Die Moderation über­nahm Teresa Henkel vom SWR.
 
 
 
 

 
Spott auf Gott? Wieviel Humor (v)erträgt Religion?
 
Christlicher Glaube denkt über die Welt nach, aber auch über die Welt hinaus. Wird ihm in der dadurch ermög­lich­ten Freiheit auch Humor geschenkt, mit dem Leben und Welt wahr­ge­nom­men werden? Verheißen ist den Glaubenden, dass ihr „Mund voll Lachens sein“ (Psalm 126,2) werde. Und doch muten das Christentum im Allgemeinen und der Protestantismus im Besonderen nicht beson­ders lustig an. Ein ent­spre­chen­der Stresstest ist, ob Christen und Christinnen über ihren Glauben, über dessen Inhalte und letzt­lich auch über Gott selbst lachen können. In einer freien plu­ra­len Gesellschaft wird Religion auch von Kritik, Spott, Bloßstellung und Zynismus nicht aus­ge­nom­men. Aber trifft etwa Satire tat­säch­lich die christ­li­che Religion oder nur ihre Interpretationen und Formate, die sie durch das jewei­li­ge Christentum erfah­ren hat?
 
Der 8. Peterskirchen-Dialog führte am 22.10.15 den scharf­sin­ni­gen Satiriker und Medienprofi Ralf Kabelka („heute-show“) mit der Clownin Gisela Matthiae und dem Religionswissenschaftler Gernot Meier zusam­men. Als Moderator wurde der Journalist und Theologe Daniel Meier gewon­nen.
 
 

 
Getrennte Wege, gemein­sa­me Schritte — das Reformationsjubiläum öku­me­nisch feiern?“
9. Peterskirchendialog am Donnerstag, 27. Oktober 2016
 
 
Zu Beginn des Reformationsjubiläums fragten wir: Kann dieses Jubiläum heute öku­me­nisch gefei­ert werden oder spielen immer noch kon­fes­sio­nel­le Abgrenzungen und Profilierungen auf Kosten anderer eine Rolle?
 
Zur öku­me­ni­schen Frage gehört dabei nicht nur der evan­ge­lisch-katho­li­sche Dialog, sondern auch die welt­wei­te Christenheit, in der noch einmal andere Herausforderungen als in Deutschland bestehen.
 
Darüber dis­ku­tier­ten der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, der Landesbischof der Ev. Kirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh und die katho­li­sche Theologieprofessorin Johanna Rahner. Moderator war Lothar Bauerochse. Dr. Tveit hob in seinem Grundsatzreferat die Notwendigkeit der gegen­sei­ti­ge Rechenschaftsgabe der Kirchen hervor und inter­pre­tier­te Luthers Ablassthesen samt ihrer Bußforderung als kon­struk­ti­ve Elemente im gegen­wär­ti­gen öku­me­ni­schen Prozess (hier die Rede im Wortlaut!). Prof. Johanna Rahner zeigte, wie sich durch die Reformation auch die Katholische Kirche zum Besseren ent­wi­ckelt habe und hob beson­ders das 2. Vatikanische Konzil hervor. Landesbischof Cornelius-Bundschuh betonte die gute öku­me­ni­sche Partnerschaft der vier großen Kirchen in Baden-Württemberg.
 
Die Beteiligung des Publikums erfolg­te auch Fragen an das Podium und die Fortsetzung des Gesprächs beim Empfang.
 

 
 

 
10. Peterskirchendialog am 2. November 2017
 
Ein beson­ders „heißes Eisen“ für die Politik sind Rüstungsexporte. Auf der einen Seite stehen Bündnisverpflichtungen und wirt­schaft­li­che Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, auf der anderen Seite eine gesell­schaft­li­che Mehrheit, die Rüstungsexporte aus­ge­setzt sehen möchte. Zu den gesell­schaft­li­chen Akteuren gehören die Kirchen, die mit einem jähr­li­chen Rüstungsexportbericht das Agieren in Politik und Wirtschaft kri­tisch beglei­ten. „Beim Export von Kriegswaffen müssen die gesetz­li­chen und unter­ge­setz­li­chen Regelungen ein­ge­hal­ten und Transparenz über die Entscheidungen des Bundessicherheitsrates her­ge­stellt werden. Mittelfristig ist der Export von Kriegswaffen ein­zu­stel­len“, for­der­te etwa die badi­sche Landessynode im Oktober 2014. Und noch im Frühjahr for­der­te die würt­tem­ber­gi­sche Kirche: „Kriegswaffen und andere Rüstungsgüter sollen grund­sätz­lich nicht expor­tiert werden, ebenso wenig wie Lizenzen für ihre Produktion. Ausnahmen von dieser Regel sind vor der Entscheidung und öffent­lich zu begrün­den.“
 
Welche Kriterien wenden Industrie und Politik an, um Produkte der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu expor­tie­ren? Nach welchen Maßstäben beur­tei­len die Kirchen diese Rüstungsexporte? Wie ist der der­zei­ti­ge Modus des Aushandelns der unter­schied­li­chen Interessen? Nur selten werden grund­sätz­li­che und aktu­el­le Fragen von den Beteiligten mit­ein­an­der in der Öffentlichkeit ver­han­delt. Der Peterskirchen-Dialog bringt nun hoch­ran­gi­ge Repräsentanten aus Industrie, Politik und Kirche zum Gespräch zusam­men. In der Kontroverse geht es nicht um Konsense, wohl aber darum, die Argumente und die Vorgehensweise der anderen nach­zu­voll­zie­hen.