Paramente

 
Paramente nennt man die Textilien, die im Kirchenraum, meist an Kanzel, Altar und Lesepult (Ambo), durch ihre Farben und Symbolik den Bezug zum Kirchenjahr her­stel­len.
 
Aufgabe der Paramentik (Kunst der Bereitung [des Kirchenraums]) ist es, die wich­tigs­ten Orte des Raumes her­vor­zu­he­ben. Das Kirchenjahr liefert mit seinen Farben einen Subtext zur Liturgie und wird in der tex­ti­len Gestaltung sicht­bar.
 
Die Gestaltung in der Peterskirche hat sich in einem Gesprächsprozess mit dem Kapitel ent­wi­ckelt. Die Problemstellung, dass an Altar und Ambo keine Textilien ver­wen­det werden sollen und können, erfor­der­te den krea­ti­ven Umgang mit der Raumsituation.
 
Der Gedanke einer Projektionsfläche sowohl für das Kreuz als auch für die Farben des Kirchenjahres ent­stand. Der Ort vor dem Epitaph war weit genug ent­fernt, um den Raum als Ganzes wahr­neh­men zu können, die Transparenz der Fläche, so dass das Epitaph immer noch zu ahnen ist und hinter der Fläche detail­liert betrach­tet werden kann.
 
Die Fläche hinter dem Kreuz besteht immer aus zwei Lagen: Als Hintergrund dient eine weiße trans­lu­zen­te, textile Fläche, die auf­grund des engen Kostenrahmens aus einer trans­pa­ren­ten Stoffbahn besteht, aber auch aus sati­nier­tem Glas oder Acryl bestehen könnte, wenn es keine uner­wünsch­ten Reflexionen oder Spiegelungen gibt. Davor wech­seln sich farbige Flächen ab, die durch ihre Form inhalt­li­che Bezüge zum Kirchenjahr her­stel­len: Zwei schmale, grüne Bänder begin­nen am Boden und enden auf etwa 2/3 der weißen Fläche, Wachstum wird sym­bo­li­siert.
Zwei schmale rote Bänder begin­nen zu Pfingsten und Gemeindefesten an der Oberkante der weißen Fläche, enden über dem Boden und sym­bo­li­sie­ren die Abwärtsbewegung des Geistes, mit dem dritten Band an der Kanzel wird an die Dreifaltigkeit erin­nert.
 
Eine große weiße Fläche teilt zu den hohen Festtagen und Christusfesten den Hintergrund in drei Teile, an der Kanzel wird eben­falls mit zwei Flächen gear­bei­tet, die formal den Bezug zu Altar und Lesepult her­stel­len.
 
Eine am Boden begin­nen­de, vio­let­te, quer­for­ma­ti­ge Fläche in den Proportionen des Altars ver­än­dert in den Vorbereitungszeiten (Advent, Passion) den Durchblick durch den Altar vom Kirchenschiff aus, an der Kanzel findet sich eine pro­por­tio­nal ver­klei­ner­te Fläche wieder.
 
An der Kanzel wird über einen for­ma­len Bezug zu Altar und Ambo Neues mit Altem ver­bun­den, das Konzept vom „Suchen und Finden“ der Prinzipalstücke wird wei­ter­ge­führt.
 
Hauptorientierung bei der Farbwahl ist das Glasfenster, die Flächen haben keine klas­si­schen Motive, sondern kommen mit einer gestick­ten Ton-in-Ton-Struktur aus, das Material Filz ist ursprüng­lich wie der Cortenstahl von Altar und Ambo, inner­halb der far­bi­gen Lagen ver­birgt sich eine gold­gel­be Stofflage, sie zitiert deren Vergoldung.
 
Die schlich­te Formensprache der neuen Prinzipalstücke wird mit den Paramenten wei­ter­ge­schrie­ben, mit der Verortung werden die his­to­ri­schen Raumelemente mit der moder­nen Gestaltung „ver­wo­ben“. Die Paramente mar­kie­ren die Orte und machen die Botschaft der Liturgie und der Predigt sicht­bar. Sie ver­än­dern den Raum damit, ohne ihn zu stören.
 
Dipl. Designerin Beate Baberske-Krohs, Leiterin der Paramentenwerkstatt Neuendettelsau